Welche Rolle kann Zweisprachigkeit in einer Region spielen, in der alle deutsch sprechen?

Kircher Bier wendisch/serbske

Projektdetails

Thema: postcarbon
Untertitel: Welche Rolle kann Zweisprachigkeit in einer Region spielen, in der alle deutsch sprechen?
Jahr: 2014
Fortschritt des Projekts: Abgeschlossen
Betreuer:
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Was verbinden Sie mit der Lausitz? Wölfe? Tagebau? Seen? Sorben? 2014 beschäftigte sich das greenlab mit der regionalen Identität der Lausitz. Wie können lokale Ressourcen – ökonomische, ökologische und kul- turelle – genutzt werden, um Deindustrialisie- rung und Abwanderung zu begegnen? Als Kom- munikationsdesigner haben wir ein Lebensmittel zum Thema gemacht, das wie kein anderes regionale Identität transportiert: Bier. Bier brauen in der Lausitz zum Beispiel die Gebrüder Kircher. Die Brauerei Kircher ist ein 1898 gegründetes Familienunternehmen in Drebkau bei Cottbus, also zwischen Ober- und Niederlausitz, zwischen Tagebau und Spreewald. Sorbisch wird in Drebkau kaum noch gesprochen, die Stadt ist aber, wie viele Orte der Region, zweisprachig – deutsch-sorbisch – beschriftet.

Die Gebrüder Kircher verstehen ihr Unternehmen als Spezialitäten-Brauerei. Spezialitäten sind das Gurkenradler und das Serbske Piwo – Biere mit starkem regionalem Bezug. In dieser Nische versuchen sie sich gegen die Konkurrenz internationaler Brauerei-Konzerne zu behaupten. Ursprünglich erhoffte sich die Brauerei von uns Unterstützung bei der visuellen Präsentation des Serbske Piwo. Diese Spezialität wird nach einer lokalen, sorbischen Überlieferung aus Hopfen, Wasser, Malz und Honig gebraut und darf – weil das Deutsche Reinheitsgebot Inhaltsstoffe neben Hopfen, Wasser und Malz ausschließt – nicht als Bier vertrieben werden.

Die Beschäftigung mit nur einem Produkt der Brauerei, erschien uns nicht sinnvoll. Uns war es wichtig, den ganzen Betrieb neu zu denken, das Angebot zu strukturieren und den Kundenkreis zu erweitern. Soll der Betrieb weiterexistieren, obwohl seine Kunden in der Lausitz um der Braunkohle willen weggebaggert werden, müssen neue Kunden gewonnen werden. Die Lausitz ist dünn besiedelt, aber Cottbus mit seiner Universität und das nahe Berlin haben Potential. Wir schlagen vor, die gesamte Produktpalette und alle Medien der Brauerei auf Basis eines neuen Corporate Designs zu gestalten – bis hin zur Umbenennung der Dachmarke. Als Dachmarke für alle Sorten soll der Begriff »Kircherbier« etabliert werden. Bei der Gestaltung der Dachmarke wird auf den markanten Schriftzug der Brauerei aus den 1920er Jahren zurückgegriffen. Der Schriftzug, der einst an die Unterschrift des Großvaters Kircher angelehnt war, wurde hinsichtlich seiner Lesbarkeit und Skalierbarkeit optimiert.

Der neue Slogan der Brauerei lautet: »Ein Kircher kommt selten allein.« Damit soll nicht etwa auf die beiden Zwillingsbrüder Kircher angespielt werden, sondern vielmehr auf das Bier als ein Lebensmittel, das regionale Verbundenheit transportiert und Geselligkeit stiftet. 

Wir sind überzeugt, dass der neue visuelle Auftritt geeignet ist, die Brauerei Kircher auch über die Lausitz hinaus zu etablieren.