Wie kann das Lausitzer Leinöl im Sinne des Slow Food erlebbar gemacht werden?

slowlin

Projektdetails

Thema: postcarbon
Untertitel: Wie kann das Lausitzer Leinöl im Sinne des Slow Food erlebbar gemacht werden?
Jahr: 2014
Fortschritt des Projekts: Abgeschlossen
Teilnehmer: Julia Nissen
Betreuer:
Galerie:

Du bist was du isst - Die Lausitz isst Leinöl oder "Leinöl und Quark machen den Lausitzer stark" heißt es im Volksmund. 

Lausitz und Leinöl, diese zwei Begriffe sind seit jeher eng miteinander verbunden. Mit der Gründung der ersten Leinölpresse in Hoyerswerda im Jahre 1924 wurde das Lausitzer Leinöl auch überregional zu einem Begriff und hat sich als fester Bestandteil der lokalen Tradition etabliert. Gerichte wie Leinöl mit Pellkartoffeln und Quark sowie, außerhalb der Lausitz weniger bekannt, Brot gestippt in Leinöl und Zucker gehören zur regionalen Identität. Sie sind nicht nur in der häuslichen Küche beliebt, sondern werden zum Beispiel auch im Slawischen Hof in Kolkwitz, einem gehobenen Restaurant mit angeschlossener ökologischer Landwirtschaft, als historische Speisen serviert.

Das Projekt slowlin konzentriert sich auf die Gestaltung von zwei Porzellantellern, die für diese Gerichte eine neue Präsentationsform schaffen und das Esserlebnis erweitern. Das Leinöl als wertvolles Nahrungsmittel soll in den Fokus gerückt und seine sinnliche Präsenz gesteigert werden. Die Idee steht in Verbindung mit dem Konzept des Slow Food, das neben der Erhaltung der regionalen Küche mit den heimischen Produkten und ihrer ökologischen, lokalen Produktion auch den bewussten Genuss unserer Nahrung und ihrer sinnlichen und ästhetischen Qualitäten umfasst.

Die Formgebung der Teller nimmt Bezug auf das Fließverhalten des Leinöls; wie es, über den Quark gegossen, sich seinen Weg sucht, Linien ausbildet und Strukturen sichtbar macht. Dieses charakteristische und reizvolle Phänomen wird aufgegriffen und in eine zeremonielle bis spielerische Inszenierung übersetzt. Beim Eingießen fließt das Öl durch die leichte Neigung der Teller seitlich hinab, auf den Betrachter zu, umrahmt die dazu servierte Speise und sammelt sich am tiefsten Punkt. Neben der ästhetischen Wirkung, die die Aufmerksamkeit auf die optischen Qualitäten des goldfarbenen Öls lenkt, hat dieser Prozess auch den praktischen Effekt, dass sich die Mischung der Bestandteile besser kontrollieren und ein ungesteuertes Zusammenlaufen verhindern lässt. Das Design fordert den Essenden zur aktiven Teilnahme auf.

Die minimalistische Gestaltung der Teller und die in sie integrierte Funktionalität machen ein traditionelles Kulturgut der Lausitz auf neue Weise wahrnehmbar und stellen es in einen offenen, zeitgenössischen Kontext. Die Grundlage ist weiterhin eine regionale Esskultur, aber durch die Fokussierung auf ein besonderes, in ihr verstecktes sinnliches Element werden andere Ebenen sichtbar und das Design zu einem Katalysator für neue Entdeckungen und Verbindungen.