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Compagno

Henrieke Neumeyer, Vaia Tatopoulou, Marleen Bauer

Wie lassen sich objektbedingte Grenzen beim Vorgang des Essens zunächst sichtbar machen, graduell überwinden und schließlich das soziale Gefüge beim Essen durch Interaktion stärken?

Die Nahrungsaufnahme – eine alltägliche Angelegenheit, geprägt durch Raum und Zeit, Gefäße, Untergründe und Werkzeuge. Teller, Schüsseln und Gläser drücken eine Gleichheit aus, codiert durch die Historie, Riten und das soziale Milieu. Die Küche – Raum für die Essenszubereitung. Der Esstisch – ein Rahmen für die Zusammenkunft. Der Teller – umkreist eine individuelle Portion. Dazwischen ein Textil. Es soll den Tisch schützen, den Teller dekorativ in Szene setzen, den Raum beleben, Verbindung schaffen und einen Rahmen für die Platzierung gewisser Gegenstände schaffen. Essen – ein eingeübtes Regelwerk von Abläufen und in sie eingebundenen Objekten. Claude Lévi-Strauss und Mary Douglas reden von Essen ähnlich wie von Sprache als eine Art Code, der Muster sozialer Beziehungen ausdrückt. Es ist eine non-verbale Form der Kommunikation. Der Akt des Essens dient dann über die Stärkung von sozialen Beziehungen hinaus auch dem kulturellen Austausch.

Compagno
»Compagno« – Latein: com »mit« und panis »Brot«, beschreibt die Person mit der wir unser Brot teilen.

Es beginnt mit Stoffbahnen, die zu unterschiedlichen Längen entfaltet werden können und zwischen den Beteiligten einen Abstand definieren. So kann der gemeinsame, soziale Raum zwischen den sich Gegenübersitzenden variiert werden, von intimer über persönlicher, bis zur sozialer und letztlich öffentlicher Distanz. Jeweils zwei Personen sind miteinander verbunden und bringen das Textil in Bewegung. Leichte Bambusschalen gleiten von Einem zum Anderen, transportieren Aromen und Geschmäcker, werden zum Gegenstand der Interaktion. Die Szene lässt sich auf eine unbegrenzte Anzahl von Personen erweitern und im öffentlichen Raum ausdehnen. Eine Intervention, die Bewegungsabläufe neu interpretiert, ein unorthodoxes Miteinander in Gang setzt und kulturbedingte Konventionen aufbricht, um beim gemeinsamen Essen neue spielerische Abläufe entstehen zu lassen. Der performative Charakter des Vorgangs soll die gemeinschaftsstiftende Wirkung des Essens verstärken. Ungewohnte Erfahrungen mit sich und dem Gegenüber beim gemeinsamen Austausch und Erkunden der kulinarischen Objekte korrelieren mit neuen Dynamiken des kollektiven Speisens. Statt erprobten Ritualen zu folgen begibt man sich in ein Experiment, das unabhängig von kulturellem und sozialem Hintergrund erfahrbar ist.

“Eine zeitgemäße Strategie der Ernährungswende-Szenarien könnte sein, die Zukunft der Tischgemeinschaft alternativ zu kriegerischen Mitteln nicht nur mit guten Lebensmitteln, sondern bewusst mit spielerischen Mitteln auszuprobieren.” Harald Lemke

Facts

Research Topic
GreenDesign 9.0 - Food in the Time of Corona

Project Type
Teaching Course Studio Practice

Designer(s)
  • Henrieke Neumeyer, Vaia Tatopoulou, Marleen Bauer

Supervision by
  • Prof. Dr Zane Berzina, Prof. Susanne Schwarz-Raacke, Prof. Barbara Schmidt, Prof. Dr. Lucy Norris, Julia Wolf

2020